Wia ma auf da Christmette ned ois drauf und dran is, hob i ma denkt, dass i heuer daheim bleib. Gabriele hot ned amoi vom Smartphone aufgschaut, wia sie de Bombe hot platzen lossn. Sie is in meiner Kuchel gstanden, hod a Zeitschrift duachbladert, de sie si vom Wohnzimmertisch gholt hot. Mein Bua Markus hot si in da Nähe vom Kühlschrank umadruckt und is auf amoi furchtbar interessiert am Mindesthaltbarkeitsdatum vom Senfglas gwen.

Er hot mein Blick gmeiden. I bin an da Kücheninsel gstanden. Meine Händ hobn leicht auf ana Rolle silbern Geschenkpapier glegt. Den ganzen Vormittag hob i damit vabracht, Gschenke für meine zwa Enkerl z’suchen.
Sorgfältig ausgsuchts, pädagogisch weatvois Holzspielzeug, auf des Stefanie so großen Weat legt. „Des Haus is einfach größer”, hot Stefanie dazua gsagt und umbladert. „Und ehrlich gsogt is es viel stressfreier, ois de Kinder zu de Feiertage zu zwa verschiedene Orte z’schleifen. Mia machan an Videoanruf mit dir, wann de Bescherung losgeht.
”
Stille hot si im Raum ausbreitet. Vor zehn Jahr, wia mei Mo gstorbn is, hätte i vielleicht gwaant, hätte sie vielleicht angefleht, es si anders z’überlegen, oder obotn, den kompletten Gänsebraten z’kochen und zu eahna hi z’bringa, nur damid i dabei sein derf. Oba i bin jetzt 65 und hob gleant: Wann ma um an Platz am Tisch bettln muass, schmeckt des Essen am End nur bitter. I hob de Schere gnumma.
Des Metall is mit an scharfn Gricht durchs Geschenkpapier gfoahn. „In Ordnung”, hob i gantwort. Markus hot si umdraht und blinzelt. „Bist du ned böse, Mama?
” „Ihr habts eire Pläne gmacht, Markus. ” I hob des Papier sauber zsammgfaltet und beiseiteglegt. „I dank eich, dass ihr mir Bescheid gebt habts. ” Stefanie hot de Zeitschrift zua gschlogn und fast enttäuscht ausgschaut, dass es kan dickn Streit gebn hot.
Sie is bei Konflikten aufbliahd. Sie liebt es, z’beweisn, dass sie de Zügel vo da Familie in da Hand hält. „Tja, gut. Mia kemman dann am zweiten Weihnachtsfeiertag vorbei, um de Gschenke für de Kinder abzuholen.
Stells einfach in an Flur. ”
Fünf Minutn späta san sie weg gwen. A Tiefe, schwere Stille hot si über des Haus glegt. I hob auf den Stapel mit de Gschenke gschaut und dann auf den leeren Kalender an meim Kühlschrank.
I bin zum Mülleimer ganga, hob des silberne Geschenkpapier einegworfen und mein Firma-Laptop aufgklappt. Es is an da Zeit gwen, meine oagnen Pläne z’macha. Bis Dienstag Früh hot mei Plan auf Hochtouren glaffa. In de letzten vier Jahr hob i für Markus und Stefanie über de Feiertage an teuren Feinkostlieferservice zoht.
Stefanie hot immer behaupt, de Supermärkte wärn vor Weihnachten a Zumutung. Also hob i stillschweigend de guat vierhundert Euro pro Monat für den gesamten Dezember übernomma. I hob mi ins Kundenkonto eigloggt, auf Abonnement klickt und dann auf stornieren. Ois Nächstes hob i meine Banking-App aufgmacht.
Jeden Monat hob i hundert Euro auf an Konto überwiesen mit dem Namen Ausbildungsfonds Enkerl, des vo Stefanie vawaltet worn is. Letzten Monat is ma auf genau dem Konto a Abbuchung vo an exklusiven Friseursalon aufgfoin. I hob koane Fragen gstellt. Jetzt hob i bei meiner Bank einfach a neichs privates Treuhandkonto auf de Nama vo de Kinder eröffnet, des Geld dorthin überwiesen und den Dauerauftrag an Stefanie glöscht.
Gegen Mittag hot mei Handy auf da Arbeitsplatte summt. Markus’ Nama is aufglocht. „Mama, is wos mit dem Kundenkonto vom Lieferservice passiert? Stefanie hot grad de Bestellung für des große Essen bei ihrer Mutter abschließen wolln, owa deine Karte is obglehnt worn.
” I hob de Küchenzeile mit an feuchtn Tuch obwischt und ma des Telefon zwischn Schulter und Ohr klemmt. „I hob des Abo gekündigt, Markus. ” „Was? Warum?
Nächste Woche is Weihnachten. ” „Weil i meine Finanzen neu ordne”, hob i ruhig gantwort. „Da i ohnehin ned mitfeier, machts Sinn, dass ihr fürs Festessen selber aufkommts. ” „Sie flippt völlig aus”, hot er gmurmelt, und sei Stimme is eine Oktav tiefer gruutscht, ois wann er si im Badezimmer verstecken dad.
„Sie hot si fürs große Familienessen fest auf de Lieferung verlassen. ” „Sie hot no gnua Zeit, selber einkaufen z’geh”, hob i erwidert. I hob den Lappen unterm Wasserhahn ausgspült und ausgrungen. „Gibt’s sunst no wos, Markus?
I hob no Besorgungen z’machen. ” Er hot a Momentl gstammelt, und i hob gspiat, dass er drauf gwart hot, dass i nochgebe und eahm meine Kreditkartennummer diktier, nur für den liabn Frieden. „Na”, hot er schließlich gsogt. „I schätz ned.
An scheena Nachmittag no. ” I hob aufglegt. I hob meine Handtasche gnumma und den frisch ausdrucktn Reiseplan außa gholt. Flug nach Zürich, Schweiz.
Abflug ab Hamburg-Fuhlsbüttel in exakt 48 Stundn. I bin ned einfach dahoam bliem. I hob des Land valossn. Am Mittwoch Nachmittag hot’s scharf an meiner Haustür in Lübeck klopft.
I bin grad oben im Schlafzimmer gwen und hob an dickn Wollpullover in mein Koffer packt, oba i hob des ungeduldige, fordernde Pochen sofort erkannt. I bin hi und hob aufgmacht. Stefanie is auf da Veranda gstanden, in da oan Hand de Leine vo ihrm Golden Retriever, in da andern a große Reisetasche. „Hey.
” Sie is si an mir vorbeidruckt in an Flur und hot de Tasche falln lossn. „Weil du über de Feiertage ja sowieso dahoam hockst, muasst du auf Balu aufpassn. Meine Mutter is allergisch und de Hundepensionen san alle restlos ausbucht. ” Sie hot ned gfragt, sie hot’s mir gsogt.
I hob den Hund ogschaut, der freudig an meim Flurteppich gschnuppert hot, und dann meine Schwiegertochter. „I ko ned auf Balu aufpassn, Stefanie. Nimm eahm mit oder suach dir an Sitter. ” Sie hot mitten in da Bewegung innehaltn, ois sie ihrn Mantel aufknöpfen wollte, und hot mi ogschaut.
„I hob dir doch grad gsogt, de Pensionen san voll. Du bist doch eh da. Du muasst eahm nur ob und zua in an Garten lossn. ” „I werd ned do sei”, hob i klargmacht, hob Balus Leine gnumma und sie ihr wieda in de Hand druckt.
Ihre Augen hobn si varengt. „Wia, du bist ned do? Wo wüst du denn hi? ” „Des is meine Soch.
” I bin zur Tür trattn und hob sie offn ghoidn. „I mecht, dass du den Hund nimmst und gehst. I hob no einigs z’erledigen. ” Ihr Gsicht is zornig rot woran.
„Markus wird deswegen total gstresst sein. Mia fahrn in zwa Tog. ” „Dann solltest du jetzt Anfang, rumzutelefonieren. ” Sie hot de Tasche an sich grissn und an verwirrten Hund praktisch zur Tür außa zerrn.
„Du bist unglaublich egoistisch, Gabriele. ” „Auf Wiedersehen, Stefanie. ” I hob de Tür zua gmacht und an Schlüssel umdraht. Dann hob i mei Telefon gnumma und den örtlichen Schlüsseldienst ohrufa.
Stefanie hot seit drei Jahr an Ersatzschlüssel für mei Haus ghabt und is oft einfach einekumma, um Wäsche obzuladn oder si Dinge auszlehna, wann i ned do gwen bin. Um vier Uhr san de Schlösser an da Vorder- und Hintertür komplett ausgwechslt worn. Des schwere, sattte Klicken vom neichn Schloss hot si ogfühlt, ois wann a physischs Gwich vo meiner Brust foit. Mei Zuhause hot wieda ganz mir gheat.
Da Hamburger Flughafen is a Bienstock aus hektischer Vorweihnachtsenergie gwen. Familien hobn weinende Kleinkinder hinter si herzogn. Gschäftsleut hobn wütend auf Laptops tippt, und da Gricht vo obgstandnem Kaffee is in da Luft ghängt. Zum ersten Mal seit Jahrn hob i mi mit vollkommener Leichtigkeit durchs Chaos bewegt.
I hob nur an kloana Rollkoffer und an Fensterplatz ghabt. I hob Markus ned gsogt, dass i fareis. I hob kan Zettel auf da Küchenanrichte hinterlossn. De Gschenke für de Enkerl hob i mit schlichtn Namensschildln direkt per Post zu eahna Haus gschickt.
Beim Einsteign hob i mein Platz in da Premium Economy gfunden. A kloana Luxus, den i ma vo dem gspoatn Geld für de Feinkostlieferung gegönnt hob. I hob’s ma bequem gmacht, mi ogschnallt und zua gschaut, wia vor dem kloana ovaln Fenster dicke Schneeflocken z’foin ogfangt hobn. „Entschuidign Sie”, a tiefe, höfliche Stimme hot mi aus meine Gedankn grissn.
I hob aufgschaut. A hochgwaxner Mann mit ergrautm Hoar und freundliche Lachfältchen um de Augen hot auf an Gangplatz neben mir deit. Er hot an maßgeschneiderten Wollmantel und a obgweizte Lederaktentasche trogn. „Natürlich.
” I hob de Beine eigzogn, um eahm durchzulossn. Er hot sei Tasche vastaut und is si mit an leisen Seufzer vo Erleichterung in an Sitz falln lossn. „Nix bringt an so dazua, seine Lebensentscheidungen z’überdenken, ois des Reisen vor de Feiertage”, hot er gschmunzlt und an Gurt zua gmacht. I hob glächlt und mei Buch aufgschlong.
„I find, des hängt ganz davon ob, wovor ma weglauft. ” Er hot innehaltn und mi mit aufrichtigem Interesse ogschaut. „I bin Johannes, und des klingt, ois hätten Sie a gute Gschicht auf Lager. ” „Gabriele”, hob i gnickt.
„Und es is weniger a Gschicht, sondern mehr a Kurskorrektur. ”
De Triebwerke hobn aufgholt und des Flugzeig über de Startbahn gschom. Wia de Räder an Boden valossn hobn und des vaschneite Norddeitschland unterm uns kloana worn is, hot mei Handy in da Handtasche summt. A SMS vo Markus: „Stefanie kocht vor Wut wegen de Schlösser.
Was is da los? ” I hob des Telefon auf Flugmodus gstellt, weggpackt und mi Johannes zuwandt. „Warn Sie scho oft in Zürich? “, hob i gfragt.
Er hot glächlt und si zruckglehnt. „Viele Mal. Lossen Sie ma eahna vazöhln, wo Sie de beste hoaße Schoklad findn. ”
Zürich hot uns mit klara, klirrenda Kälte empfanga und mit Straßn, de in warmes goldans Lichterglanz gstrahlt hobn.
De Weihnachtsmärkte san in vollem Gang gwen und hobn de Plätz vo da Stod in wos vawandlt, des direkt aus ana Schneekugel z’stemma scheint. Wia i in meim Hotel eingecheckt hob, hob i de Müdigkeit gspiat, oba des Adrenalin hot mi auf de Bein ghoidn. I hob langsam auspackt, meine Kleidung in an massivn Holzschrank ghäng und de absolute Stille vom Zimmer gnost. Niemand hot an Snack varlangt.
Niemand hot de Oart kritisiert, wia i de Handtücher falt. An dem Obend bin i ins Hotelrestaurant eineganga. Da Speisesaal hot direkt auf an See gschaut, auf dessen dunkln Wossa si de Lichter vo da Stod gspiegelt hobn. „Gabriele?
” I hob mi vom Fenster obwandt. Johannes is in da Nähe vom Eingang gstanden und hot a Speisekarte in da Hand ghoitn. Er hot überrascht ausgschaut, dann oba aufrichtig erfreut. „Johannes, mia laffn uns wohl ständig übern Weg.
” „Es is a kloans Hotel”, hot er glächlt. „I hob grad noch an Tisch für oane Person frog’n wolln. Hätten Sie Lust, draus an Tisch für zwoa z’machen? ” I hob den Bruchteil vo ana Sekunde zögert.
De oide Gabriele hätte obglehnt, um si ned aufzudränga, um koane Last z’sein. „Sehr gern”, hob i gantwort. Beim Abendessen hobn mia redt. Mia hobn wirklich redt.
Er is a pensionierter Architekt aus München gwen, seit fünf Jahr verwitwet, und auf Reisen, um oide Kollegn z’bsuacha. Er is ma ned ins Wort gfoin. Er hot ned auf sei Handy gschaut. Ois i vo meim vastorbna Mann gredt hob, hot er mit an stilln Respekt zuaghört, der meine Brust auf a guate Oart eng hot wern lossn.
„Es erfordert Mut”, hot Johannes gsogt, während er an Rotwein in seim Glas gschwenkt hot. „A Muster z’durchbrecha. De meisten Leit ertragns einfach nur. ” „Ertragen is ostrengend”, hob i entgegnet und in mei Steak gschnittn.
„I hob beschlossn, dass i wieda wirklich leb’n mecht. ” Ois de Rechnung kemma is, hobn mia sie ganz selbstverständlich teilt. Er hot mi zum Aufzug begleitet und ma a guate Nocht gwunscht. Ois si de Türen gschlossn hobn, is ma aufgfoin, dass meine Schultern völlig entspannt warn.
De Verspannung in meim Nacken, die mi de letzten fünf Jahr wia an treuen Hund begleitet hot, is weg gwen. Am nächsten Morgn hob i übern Christkindlmarkt gschlendert. Da Gricht vo Zimt, brannter Mandln und gschmolzanem Kas hüt de Ständ einhüllt. I hob an handgschnitzten Holzanhänger kauft und an kloana Becher Glühwein trunka.
Johannes is in da Nähe vom riesign, mit Swarovski-Kristalln gschmücktn Weihnachtsbaum gstanden. Mia hobn den Nachmittag damit vabracht, durch de kopfstoa-pflastertn Gassn z’spaziern, hobn über an beißenden Wind glacht und uns a Tüte hoaße Maroni teilt. Ois de Sunn untaganga is und de Stod in a tiafs Blau taucht hot, san mia an da Limi gstanden. De Lichter vo de Briackn hobn des Wossa wundaschee beleucht.
„Mia brauchen Beweise”, hot Johannes grinst und sei Handy außa gholt. „Dass mia de Kältn überlebt hobn. ” Er hot a schnells Selfie vo uns gmacht und dann obotn, aa oans mit meim Handy z’machen. I hob mei Gerät außa gholt.
De Kamera hot de atemberaubende Kulisse eigfanga. Johannes hot si ins Buid glehnt, sein Punschbecher ghom und a hells, echtes Lächeln in de Kamera gstrahlt. I hob aa glächlt und ausgschaut, ausgruhter und lebendiger ois in an ganzn Jahrzehnt. Mia hobn unsre Becher genau in dem Moment onananda klinga lossn, ois da Auslöser klickt hot.
Es is a fantastischs Foto worn. I hob Facebook aufgmacht, a Plattform, de i eigentlich nur gnutzt hob, um Buidln vo meine Enkerl z’seng. I hob an simbln Text dazua tippt: „Sie hobn gsogt: Du kannst einfach dahoam bleim. I hob mi stattdessen für de Schweiz entschiedn.
Frohe Weihnachten aus Zürich. ” I hob auf Posten druckt und des Handy wieda in de Tasche gleiten lossn, ohne auf Likes oder Kommentare z’wortn. „Wohin ois nächste? “, hot Johannes gfragt und de leere Maroni-Tüte in an naheglegna Mülleimer gworfa.
„I hob gheat, es gibt obm aufn Berg a Fondue-Restaurant, des ma ned vapassn soitt”, hob i voargschlong. Mia hobn de nächsten drei Stundn damit vabracht, däftign Kas z’essn, Brot und Kartoffeln eizutauchen und Gschichtn ausz’tauschn. I hob ka einzigs Moi an Markus oda Stefanie denkt. I hob mi ned gfragt, ob sie des große Haus vo ihrer Mutter gnießn.
Zum ersten Mal seit seah langer Zeit bin i mit meine Gedankn vollkommen im Hier und Jetzt gwen. Dann hob i in mein Mantel griffn, um nach da Uhrzeit z’seng. Des Display vo meim Handy hot gleicht wia des Leuchtfeuer vo an Leuchtturm. 42 vapasste Orufe.
37 WhatsApp-Nachrichtn. Meine Benachrichtigungen san a prasselnder Wasserfoi vo Panik gwen. „Markus: Mama, wo bist du? ” „Markus: Is des a Witz?
” „Stefanie: Wer is der Mann? ” „Stefanie: Du vaprasst des Erbe vo de Kinder für an Urlaub mit an Fremdn? ” „Markus: Sofort ans Telefon. ” „Stefanie: Mia brauchen den Hausschlüssel.
Des mit dem Hundesitter hot ned klappt. Du muasst zruckkemma. ” I hob auf an Bildschirm gschaut und zugschaut, wia a weitere Nochricht vo Markus aufpoppt is, in der er volangt hot, i soitt eahm umgehend oruafa. De schiere Anspruchshoitung, de aus dem kloanan Glasrechteck gstrahlt hot, is scho fast komisch gwen.
Johannes hot mein Gsichtsausdruck bemerkt. „Alles in Ordnung? ” „Nur des Gricht vo brennande Briackn”, hob i gantwort und aufn Bildschirm tippt. I hob ned zruckgruafa.
Stattdessen hob i den Chat mit Markus aufgmacht und an einzign Satz tippt: „I bin im Urlaub. Des Haus is obgschlossn, und i werd bis zu meiner Rückkehr koane Orufe entgegennehmen. Gnießts eia Weihnachten bei Stephanies Mutter. ” I hob auf Senden druckt, bin in meine Einstellungen ganga und hob ihre zwa Nummern für den Rest vo da Reise blockiert.
I hob des Telefon mit dem Display nach untn auf an Holztisch glegt. „Familie? “, hot Johannes sanft gfragt, der mein schweren Seufzer bemerkt hot. „Mein Bua und sei Frau.
Sie hobn mi zu Weihnachten ausglodn, also bin i gfohrn. Jetzt san sie wütend, dass i ned im Dunkeln sitz und auf sie wort. ” Johannes hot langsam gnickt und mit an Finger aufn Tisch trommelt. „Meine Tochter hot wos Ähnlichs versucht, ois mei Frau gstorbn is.
Sie hot denkt, sie könnt über mein Zeitplan bestimma, weil sie davo ausganga is, i hätte ja sunst nix z’tun. ” „Und wos hobn Sie gmacht? ” „I hob a Segelboot kauft”, hot er schwach glächlt. „I mog ned amoi Wossa besonders, oba es hot sein Zweck erfüllt.
” I hob glacht. A echtes, lauts Lachen, des durch des laute Restaurant hallt hot. De Beklemmung, de sunst immer in mir hochgstiegn is, wann Markus wütend gwen is, is vollständig vadunstet. I hob meine Gabel gnumma.
„Na, i hob koa Boot, oba i hob exzellenten Kas. ”
De Rest vo da Reise is wundaschee gwen. Johannes und i san mitn Zug in de Berg gfahrn, hobn dem Schneefoi über de Alpen zugschaut und hobn an Heiligabend a ruhige Christmette um Mitternacht bsuacht. Es hot koane Forderungen gebn, koane passiv-aggressivn Kommentare über meine Kochkünste, ned des Gfüh, dass i z’vü Platz eignumma hob.
Aufn Rückflug noch Hamburg hob i schließlich de Nummer vo meim Bua entsperrt. Sofort is a Mailbox-Benachrichtigung aufpoppt. Sie is vo Heiligabend gwen. I hob meine Kopfhörer einegsteckt und auf Play druckt.
„Mama, i bin’s. Markus. Hör zua, des is nimma lustig. Stephanies Mutter is krank worn.
Des große Essen is also ins Wossa gfoin. Mia wolltn de Kinder eigentlich bei dir obsetzn, damit Stefanie und i einfach an ruhign Obend hobn kenna. Oba deine neichn Schlösser hobn uns ausgsperrt. Du ruinierst uns des Fest.
Nur weil du so stur bist. Ruf mi o, wann du des obhörst. ” I hob’s ma zwoamål oghext. De Dreistigkeit is atemberaubend gwen.
Sie hobn ma gsogt, i sei überflüssig, hobn mi für a bessas Angebot aussortiert, und ois des Angebot gplatzt is, hobn sie erwart, dass i auf da Fuasmatte auf sie wort, um kostenlose Kinderbetreuung z’leistn. I hob ned zruckgschriem. Es gibt nix z’sogn. Des Flugzeig is sanft in Hamburg glandet.
Johannes und i san gemeinsam zur Gepäckausgabe ganga. „I muass rüber zu Terminal 2 für mein Anschlussflug noch München”, hot er gsogt und sei Tasche richtet. Er hot mi ogschaut. A weicha, zögerlicher Ausdruck is auf seim Gsicht gleng.
„Gabriele, i mach sowas normalerweise ned, oba i würde Sie seah gern amoi oruafa, wann Sie des mecht’n. ” I hob eahm ogschaut und an plötzlich warmen Schub vo Zuversicht gspiat. „Des würde i seah gern, Johannes. ” Mia hobn Nummern ausgetauscht, und er hot meine Hand kurz und fest druckt, bevor er si in Richtung seins Gates wandt hot.
I hob eahm nochgschaut und a komisches Flattern in da Brust gspiat. I hob mein Koffer in Richtung Ausgang zogn und bin in de eiskalte norddeitsche Luft außa tretn, um mei Auto z’suacha. Da Urlaub is vorbei gwen, oba de eigentliche Oawat hot jetzt erst ogfangt. I muass noch Haus.
Am späten Dienstagnachmittag bin i in meine Einfahrt in Lübeck gfohrn. A vertrauta schwarza SUV hot am Straßenrand parkt. Markus und Stefanie san auf meiner Veranda gsessn und hobn in ihre Wintermäntl gezittert. Da Hund Balu is ans Geländer bundn gwen und hot leis winslt.
I hob in da Garage parkt, mein Koffer ausn Kofferraum gholt und bin de Auffahrt außa ganga. Stefanie is sofort aufgstandn, de Arm eng vor da Brust vaschränkt. „Host du a Ahnung, wia gstresst mia warn? Du bist einfach vagschwundn.
” „I bin ned vagschwundn, Stefanie. I bin in an Urlaub gfohrn. ” I bin an ihr vorbeiganga und hob meine Schlüssel aus da Handtasche gholt. „Du host de Schlösser ausgwechslt.
” Markus is vortretn. Seine Stimme is laut gwen. „Mia hobn in letzta Minute 300 Euro für an Hundesitter zoihn miassn, weil mia ned einekemma san, um Balu do z’lossa. ” I hob an Schlüssel umdraht, de Tür aufdruckt und mi umdraht, wobei i de Schwelle blockiert hob.
I hob sie ned einebittn. „Warum hättets ihr Balu do lossn solln? “, hob i ruhig gfragt und de Hand fest aufn Türrahmen gleng lossn. „I hob eich ausdrücklich gsogt, dass i ned do sein werd.
” „Mia hobn denkt, du hättst nur an Trotzanfoi”, hot Stefanie gfaucht. „Mia hobn denkt, du vasteckst di drin, um uns an Denkzettl z’vapassn. ” I hob sie ogschaut und dann mein Bua, der plötzlich seah kloa ausgschaut hot. „Stefanie.
Du host ma gsogt, dass i an Weihnachten ned braucht werd. Also bin i woanders hi gfohrn. Des is koa Trotzanfoi. Des is des Akzeptiern vo eire Grenzn.
” „Du host des Geld für de Lebensmittel gstricha! “, hot sie zruckgschossn. „Und den Ausbildungsfonds? ” „Na, i hob den Ausbildungsfonds auf a Treuhandkonto valegt, auf des nur de Kinder mit 18 Zugriff hobn”, hob i sie korrigiert.
„Und de Feinkostlieferung is a Gschenk gwen. A Gschenk, des i jetzt nimmer mach. ” „Mama, du bist unmöglich”, hot Markus gfleht und nervöse Blicke zu de Häuser vo de Nachbarn gworfa. „I bin vollkommen vaneftig.
” I hob Markus direkt in de Augen gschaut. „Ihr hobts a Weihnachtsfest ohne mi wolln. Des hobts ihr griagt. Oba ihr kennts eich ned einfach de Rosinen außapicka und nur de Teile vo mir nehma, de ihr brauchen kennts.
Ihr kriagts ned mei Geld, mei Haus und meine Zeit, während ihr mi wia a lästige Pflicht behandelt. ” „Du kannst uns ned einfach aussperrn”, hot Markus gsogt, und sei Stimme is leisa worn. Er hot endlich begriffa, dass si da Boden unter eahm dauerhaft verschobn hot. „I sperr eich ned aus”, hob i mit fester Stimme gantwort.
„I stö Regeln auf, wia i in meim oagnen Lem behandelt wern mecht. I werd meine Enkerl seeng. Ihr seids willkommen, wann ihr eigloddn seids. Oba i bin nimmer eia Sicherheitsnetz, eia Bank oda eia Notfallplan.
” Stephanie hot an Mund aufgmacht, um z’widersprecha, oba i hob de Hand ghom. „Nimm den Hund, Markus. Fahrt noch Haus. ” I bin eineganga und hob de Tür zua gmacht.
Des befriedigende Gricht vom Riegel, der einrastet, hot im stilln Flur ghallt. Durchs Fenster hob i gsegn, wia sie no an langen Moment völlig fassungslos auf da Veranda gstandn san, bevor sie schließlich schweigend zu ihrm Auto zruckganga san. I hob mein Koffer an da Treppe stehn lossn und bin in de Kuchel ganga. Des Haus is blitzblank gwen, genauso wia i’s valossn hob.
Es gibt koa Chaos, des i aufrauma muas, koane passiv-aggressivn Beschwerdn, de vo de Wänd wiedahalln. Ned des Gfüh, a Fremde im oagnen Haus z’sein. I hob den Wasserkocher gfüllt und eingschalt. Mei Handy hot in da Tasche bimmelt.
Es is ned Markus gwen. Es is a Nochricht vo Johannes gwen: „Bin wieda in München. Es schneit scho. I hoff, Ihre Heimkehr is friedlich.
” I hob glächlt und mi gegen de Küchenzeile glehnt, während da Wasserkocher ogfangt hot z’summa. „Es is herrlich ruhig”, hob i zrucktippt. „Sogn Sie mir Bescheid, wann Sie Zeit für a Telefonat hobn. ” I hob des Handy hingelegt und ausn Fenster auf an Frost gschaut, der langsam de Rända vo de Glasscheibn außa krocha is.
Zum ersten Mal seit Jahrn hot des kemmende Jahr ned wia a endlose Kettn aus Vapflichtungen und Kompromissen vor mir gleng. Es is völlig unbeschriebn do gleng, und es hot ganz allein mir gheat. Sie hobn ma gsogt, i könnt dahoam bleim.
Sie hobn nur ned gahnt, dass genau des mi endlich befrein würd.